Dienstag, 15. Januar 2013

Der Ignorant und der Wahnsinnige im Burgtheater

Für mich ist Thomas Bernhard jemand, den nicht nur eine Hass-Liebe mit Österreich verband, sondern dem auch der Schalk im Nacken saß. Bei jedem Interview, das ich mit ihm gesehen habe, umspielte seinen Mund ein kleines Lächeln und ich hatte immer das Gefühl, dass er seinem Gegenüber damit vermitteln wollte, nicht alles, was er sagt, so tierisch ernst zu nehmen. Jan Bosse hat es nun geschafft, dieses Augenzwinkern in seiner Inszenierung zu vermitteln. Er arbeitet wie immer sehr texttreu (sogar das Restaurant "Die 3 Husaren", das es schon lange nicht mehr gibt, wird nicht durch ein anderes ersetzt), aber er wagt es, dem vermeintlich hasserfüllten Text eine Leichtigkeit hinzuzufügen, die einem immer wieder ein Lachen entlockt, ohne das Thema jemals der Lächerlichkeit preiszugeben. Eine Gratwanderung, die meiner Meinung nach bestens gelingt, auch wenn namhafte Kritiker sich ob der "Entweihung" überschlagen. Joachim Meyerhoff ist natürlich prädestiniert, genau das perfekt umzusetzen und auch Sunnyi Melles beherrscht diese Zwischentöne aus dem Effeff. Mir hat es gut gefallen, obwohl Thomas Bernhard nicht zu meinen Lieblingsautoren zählt.

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